Author Archives: Shaka_Schulz

Original und Fälschung

Die argentische Gesetzgebung schützt das Recht an geistigem Eigentum in den üblichen Formen von Urheberrecht, Patenten und Markenzeichen, und die wesentlchen Verträge der World Intellectual Property Organization (WIPO) wurden von Argentinien ratifiziert. Dass geltendes Recht und durchgesetztes Recht in Argentinien nicht zu verwechseln sind, lässt sich auch hier leicht nachvollziehen: Filme sind bereits eine Woche vor Kinostart für etwa einen Euro auf DVD an jeder Strassenecke erhältlich und vor den Toren von Buenos Aires liegt “La Salada”, ein Umschlagplatz für Produktpiraterie mit geschätztem Jahresumsatz von einer halben Millarde US$.

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Unerwartet war es aber, auf gefälschten Wein zu stossen. Ein vermeindliches Schnäppchen aus dem Chinesischen Supermarkt, dass die Hoffnung erweckte, bei den letzten Inflationsanpassungen einfach vergessen worden zu sein, fiel bereits beim Öffnen durch den unbedruckten Kunststoffkorken auf. Aus der Flasche kam dann eine unglaublich flache Brühe, die ein Eichenfass nichtmal von weitem gesehen haben kann.

Un abrazo.

Here we go again

Mehr als ein Jahr stand hier nichts mehr. Die Stunden des Tages sind begrenzt, es ist viel passiert und andere Dinge waren wichtiger.

Es ist nach wie vor schön, hier zu leben. Die gute Laune, die Gelassenheit, das gute Wetter und die immer wieder überraschende Vielfalt und Urbanität von Buenos Aires verlieren nicht ihren Reiz. Vieles ist aber auch schlechter geworden in Argentien.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass auf “Todo Joya” wieder mehr passiert.

Un abrazo.

Weltuntergang

Die Sommergewitter haben es immer in sich, gestern sah es aber kurzzeitig so aus, als würde die Welt untergehen. Um 19 Uhr verdunkelte sich erst der Himmel, dann brachte ein Sturm die Bäume in eine unnatürlich waagerechte Lage. Als sich die Bäume wieder aufrichteten, öffnete sich der Himmel. In kürzester Zeit überschwemmten die herabstürzenden Wassermassen die Stadt und liessen die U-Bahnschächte volllaufen. Der Verkehr kam für Stunden komplett zum erliegen. Soetwas bringt Buenos Aires allerdings nicht aus der Ruhe.

Un abrazo.

Superclásico

Boca: 2 – Riverplate: 0. Seitdem River in die zweite Liga abgestiegen ist, sind die regulären Begegnungen Mangelware, und es müssen Freundschaftsspiele wie das gestrige herhalten, um das kollektive Verlangen nach einem Kräftemessen zwischen den Erzrivalen zu stillen. Vor einer Kulissen von Polizisten und Fans im Verhältnis 1:10 machte River das Spiel, während Boca die Tore schoss und demonstrierte, wer von beiden der Erstligist ist.

Das Superclásico stellt auch Namen und Kulisse für den dänischen Film zur Verfügung, der dieses Jahr als bester fremdsprachlicher Film für den Oscar nominiert ist. Sieht zwar ein bisschen klamottich aus, bin aber trotzdem schon in freudiger Erwartung, dass er hier in die Kinos kommt.

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Un abrazo.

U-Bahn: aus dem legalen Limbo mit 127% Fahrpreiserhöhung

Ab heute steigt der Preis für eine Fahrt mit der Subte, der U-Bahn von Buenos Aires, von A$ 1,10 auf A$ 2,50 (ca. € 0,45). Die Preiserhöhung steht im Kontext eines Programms zur Kürzung von Subventionen, das von der Regierung Fernandez im November, direkt nach der Wahl, angekündigt wurde. Die Subventionen, die bei schätzungsweise 4% des BIP liegen, sollen um 25% oder A$ 20 Mrd. (€ 3,6 Mrd.) pro Jahr gekürzt werden, um ein Haushaltsdefizit, das den finanziellen Handlungsspielraum aufgrund der immer noch begrenzten internationalen Refinanzierungsmoeglichkeiten Argentiniens stark einschränkte, zu vermeiden.

Die Kürzung aller Subventionen soll möglichst schnell, in den ersten drei Monaten des Jahres 2012, über die Bühne gehen, um den Wählern ausreichend Zeit zu gewähren, die bitteren Pillen rechtzeitig vor den nächten Wahlen, die 2013 wieder anstehen, zu vergessen. Im Falle der Subte wurde aber Rekordgeschwindigkeit vorgelegt.

Im Rahmen der umfangreichen Privatisierung von Staatsbetrieben der Regierung Menem wurde der Betrieb der Subte 1994 im Ergebnis eines dreijährigen Ausschreibungsverfahrens an die Firma Metrovías S.A  übertragen. Geburtsfehler der Konzession war, dass der Nationalstaat einerseits als Vertragspartner verantwortlich für Überwachung und Kontrolle von Vetragseinhalt und U-Bahnbetrieb war, während die Stadt Buenos Aires andererseits Eigentümer des U-Bahnnetzes blieb, jedoch lediglich für Planung und Ausführung von Streckenerweiterungen verantwortlich war, und sich somit in einem rechlichen Limbo ohne direkten Zugriff auf Metrovía befand. Als der Vertrag 1999 nachverhandelt und bis zum Jahr 2017 verlängert wurde, wurde auch der Übertrag der Verantwortung an die Stadt Buenos Aires vorgesehen; dies wurde aber aufgrund politischer Differenzen niemals umgesetzt.

Nach dem ursprünglichen Vertrag gehörten zu den Pflichten von Metrovías die Instandhaltung des übertragenen U-Bahnnetzes sowie die Umsetzung eines vertraglich vereinbarten Investitionsprogramms. Die vereinbarten Investitionen wurden aber bereits in den ersten Jahren in den meisten Fällen entweder verspäter oder gar nicht umgesetzt; u.a. wurde auch die Betriebszeit der Subte in dieser Zeit verkürzt. Die Situation änderte sich grundsätzlich, als im Jahr 2002 unter der Regierung Duhalde im Kontext der Wirtschaftskrise das bis heute geltende “Eisenbahn-Notstandsgesetz” (ley de Emergencia Ferroviaria) verabschiedet wurde, das die Verantwortung für Instandhaltung und Investitionen auf den Nationalstaat übertrug sowie Subventionen an die Konsessionäre einführte, um die Fahrpreise einzufrieren. Ab diesem Zeitpunkt waren nicht nur alle bestehenden – und nicht erfüllten – vertraglichen Verpflichtungen Metrovías vergessen, der Nationalstaat übernahm auch die Finanzierung sämtlicher Massnahmen für Renovierung, Instandhaltung und Verbesserung der U-Bahn, und durch den stetigen Fluss von direkten Subventionszahlungen, begründet mit der Stabilisierung des Fahrpreises, entwickelte sich der Vertrag für den Haupteigner der Firma, Benito Roggio, nunmehr zu einer Garantie für die Generierung von Gewinnen. Die Verwendung der Subventionen ist völlig intransparent und in ihrer Höhe sind sie beständig gestiegen, auf aktuell ca. A$ 700 Mill. (€ 127 Mill.) pro Jahr; die Qualität des Services befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale.

Nach der Ankündigung der Subventionkürzungen durch die Regierung Fernandez war der Übertrag der Subte die erste Massnahme, die – lediglich innerhalb eines guten Monats - umgesetzte wurde: Nationalregierung und die Hauptstadtregierung unter Macri einigten sich nach einigem Widerstand der Stadt, dass die volle Verantwort für die U-Bahn zum 1. Januar auf die Stadt Buenos Aires übergehe und der Nationalstaat noch 50% der Subventionen für ein Jahr (A$ 360 Mill.) übernehme. Die hohe Geschwindigkeit ausgerechnet beim Thema Subte ergibt sich aus der Interessenlage der Regierung Fernandez, mit der U-Bahn auch die Verantwortung für die unpopulären Subventionskürzungen auf den politischen Gegner – die Regierung Macri – zu übertragen. Nur wenige Tage nach dem Übertrag der Subte kündigte dann auch die Regierung der Hauptstadt die Fahrpreiserhöhung um 127% an.

Obwohl der Übertrag der Subte an die Stadt Buenos Aires sowie eine Überprüfung der Subventionen an Metrovías richtig ist, ist es doch sehr durchsichtig, dass die Regierung Fernandez mit dieser kurzfristigen Massnahme in erster Linie aus politischem Kalkül agiert. Die Privatisierung der U-Bahn – wie nur in wenigen Städten weltweit durchgeführt, selbst unter der Privatisierungswelle der Regierung Thatcher blieb die Londoner U-Bahn staatlich – war von Anbeginn ein Fehlschlag. Die Privatisierung und der Konzessionsvertrag mit Metrovias, der für deren Eigentümer eine Lizenz zum Gelddrucken darstellt, gehören auf den Prüfstand. Obwohl der aktuelle Fahrpreis der U-Bahn im internationalen Vergeleich noch im Rahmen liegt, sollten Preiserhöhungen nur nach einer Analyse der Auswirkung auf Nutzer und die Verkehrssituation der Stadt und der daraus resultierenden zusätzlichen sozialen Kosten durchgeführt werden.  

Un abrazo.

Frohes Fest

Zum zweiten mal Bikini-Weihnachten. Weihnachtlich geht es schon zu und es wird langsam zur Normalität, dass Weihnachten im Sommer eben anders ist. Dieses Jahr ist es mit knapp 20° sogar regelrecht kalt.

Unten einige Ansichten aus der Vorweihnachszeit aus Brasilien und Peru.

In Buenos Aires ist im übrigen in diesem Jahr der grosse Weihnachtsbaum auf dem Plaza de Mayo abgebrannt, nachdem er am 22. bei einer Demonstrationen in Brand geraten war.

28-Nov-2010 22:50, Canon Canon PowerShot S90, 2.0, 6.0mm, 0.033 sec, ISO 160

08-Dec-2011 22:02, Canon Canon PowerShot S90, 2.0, 6.0mm, 0.033 sec, ISO 320

09-Dec-2011 17:31, Canon Canon PowerShot S90, 4.9, 22.5mm, 0.008 sec, ISO 100

28-Nov-2010 23:14, Canon Canon PowerShot S90, 6.3, 14.976mm, 0.002 sec, ISO 80

09-Dec-2011 14:58, Canon Canon PowerShot S90, 5.6, 14.976mm, 0.002 sec, ISO 80

12-Dec-2011 15:17, Canon Canon PowerShot S90, 5.0, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 80

12-Dec-2011 16:05, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 6.0mm, 0.003 sec, ISO 160

09-Dec-2011 15:07, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 6.0mm, 0.004 sec, ISO 160

09-Dec-2011 15:13, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 6.0mm, 0.004 sec, ISO 160

Un abrazo.

Lass uns Wellenreiten

Miraflores Beach by Gianluca Vittori
Miraflores Beach, a photo by Gianluca Vittori on Flickr.

Mit fortschreitendem Alter verspüre ich in regelmässigen Abständen die Notwendigkeit, meine anhaltende Jungendlichkeit unter Beweis zu stellen. Dies war möglicherweise einer der Beweggründe, warum ich mich zu einem Surf-Kurs in Lima anmeldete. Lima liegt direkt am Pazifik, und unterhalb der Steilküste erstrecken sich weitläufige Strände, die zwar wegen der beeinträchtigten Wasserqualität in Stadtnähe weniger von Badegästen geschätzt werden, wegen der hervorragenden Wellensituation aber zu jeder Tageszeit von Surfern bevölkert sind.

Die Vorfreude versetzte mich bereits den ganzen Tag in Hochstimmung und veranlasste mich fast zur situationsadäquaten Aufbesserung meines Outfits. In einem der üblichen Läden für Surferbedarf endeckte ich ein T-Shirt, dessen Botschaft ich nur bejahen konnte: “Surf Factor – Surf, Girl, Beer … OK”.

Der Kurs war dann eher ernüchternd: Minute 30: Geschmack und Geruch des Dreckwassers gehen mir langsam auf den Sack. Minute 40: Meine Arme verwandeln sich in Blei. Minute 50: Durch das ständige Reiben auf dem Board und das Salzwasser ist mein Kinn mittlerweile wund. Minute 60: Da ich weniger Surfe und mehr auf dem Brett liege, dreht sich mir aufgrund des ständigen Auf und Ab der Magen um, und meine erste und möglicherweise letzte Surf-Stunde ist beendet.

Un abrazo.

Wenn die Jacarandabäume blühen

Am Übergang vom Frühling zum Sommer blühen die Jacarandabäume und die ganze Stadt ist in lila getaucht. Die Jacarandabäume sind den ganzen Winter über grün. Zum Beginn des Frühlings verlieren sie die Blätter und fangen an zu blühen. Schnell bildet sich unter den Bäumen ein lilafarbener Teppich, von dem extreme auf-die-Schnauze-geh-Gefahr ausgeht.

Wenn die Jacarandabäume blühen ist wahrscheinlich die schönste Jahreszeit in Buenos Aires. Seit Tagen haben wir herrliches Wetter. 26° und Sonnenschein, aber noch nicht die Hitze des Sommers, eine leichte Briese und laue Nächte, die exzellent mit gekühltem Quilmes unter freiem Himmel harmonieren. 

Un abrazo.

Das Lied in mir – El día que no nací

“Das Lied in mir” (El dí que no nací) von Florian Cossen lief als Beitrag auf dem diesjährigen Festival de Cine Aleman in Buenos Aires.

Der Film handelt von der in Deutschland aufgewachsenen Maria (Jessica Schwarz), deren Identität sich bei einem nicht geplanten, den Umständen geschuldeten Aufenthalt in Buenos Aires in einen Scherbenhaufen verwandelt. Nach und nach erfährt sie die Wahrheit ihrer Herkunft: Diejenigen, die sie ihr Leben lang für ihre Eltern gehalten hat, haben sie adoptiert und bei der Adoption ging es nicht nur mit rechten Dingen zu. Ihre wirklichen Eltern gehörten zu den schätzungsweise 30.000 Personen, die in Argentinien in den achtziger Jahren während der Zeit von Militärdiktatur und Staatsterror spurlos verschwanden und ermordet wurden. Sie lernt ihre verbliebene Familie kennen, gegen deren Willen sie nach Deutschland gebracht wurde. Doch diese Personen sind ihr völlig fremd und sie versteht ihre Sprache nicht. Im Mittelpunkt des Films steht der Konflikt mit ihrem (Atoptiv-) Vater und die plötzlich und unerwartet ausgelöste Identitätskrise.

Auch wenn die Geschichte an einigen Stellen zu unwahrscheinlich konstruiert ist und der Handlung etwas mehr Geschwindigkeit gut zupass käme, nimmt dieser Film einen interessanten Blickwickel auf dieses dunkle Kapitel der argentinischen Geschichte und zeigt schöne, ungeschminkte Bilder aus dem Alltag von Buenos Aires.

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Un Abrazo.