Category Archives: unterwegs

Lass uns Wellenreiten

Miraflores Beach by Gianluca Vittori
Miraflores Beach, a photo by Gianluca Vittori on Flickr.

Mit fortschreitendem Alter verspüre ich in regelmässigen Abständen die Notwendigkeit, meine anhaltende Jungendlichkeit unter Beweis zu stellen. Dies war möglicherweise einer der Beweggründe, warum ich mich zu einem Surf-Kurs in Lima anmeldete. Lima liegt direkt am Pazifik, und unterhalb der Steilküste erstrecken sich weitläufige Strände, die zwar wegen der beeinträchtigten Wasserqualität in Stadtnähe weniger von Badegästen geschätzt werden, wegen der hervorragenden Wellensituation aber zu jeder Tageszeit von Surfern bevölkert sind.

Die Vorfreude versetzte mich bereits den ganzen Tag in Hochstimmung und veranlasste mich fast zur situationsadäquaten Aufbesserung meines Outfits. In einem der üblichen Läden für Surferbedarf endeckte ich ein T-Shirt, dessen Botschaft ich nur bejahen konnte: “Surf Factor – Surf, Girl, Beer … OK”.

Der Kurs war dann eher ernüchternd: Minute 30: Geschmack und Geruch des Dreckwassers gehen mir langsam auf den Sack. Minute 40: Meine Arme verwandeln sich in Blei. Minute 50: Durch das ständige Reiben auf dem Board und das Salzwasser ist mein Kinn mittlerweile wund. Minute 60: Da ich weniger Surfe und mehr auf dem Brett liege, dreht sich mir aufgrund des ständigen Auf und Ab der Magen um, und meine erste und möglicherweise letzte Surf-Stunde ist beendet.

Un abrazo.

Panamericana

Manche laufen zur Arbeit, andere nehmen die U-Bahn oder fahren über die Stadtautobahn. Mich bringt jeden Morgen der Bus No. 15 über die, an dieser Stelle immerhin je Richtung achtspurige, Panamericana zur Arbeit. Als ich dies kürzlich in einer Unterhaltung erwähnte – im Hintergrund lief gerade das Lied Pa-Panamericano – wurde mir erst klar, dass es sich nicht um eine x-beliebige Strasse handelt.

Die Panmamericana ist eine Strasse der Superlative. Das als “längste Strasse der Welt” bezeichnete System von Autobahnen und Schnellstrassen verbindet Alaska mit Feuerland und durchquert auf einer Strecke von mehr als 25.000 km den gesamten amerikanischen Kontinent. Mit Ausnahme einer Strecke von nur 90km zwischen Panamakanal und Nordkolumbien ist die gesamte Route befahrbar. Der Strassenverlauf spiegelt ein grosses Spektrum der unterschiedlichen Charakteristika und Gegensätze des Kontinents wider: die unterschiedlichsten Klima- und Vegetazionszonen, Dschungel, Wüste und Hochgebirge, Höhenunterschiede von bis zu 5000m in je nach Strecke 14-19 verschiedenen Staaten.

Im ursprünglichen Verlauf verband die Panamericana die Stadt Laredo an der amerikanisch-mexikanischen Grenze mit Buenos Aires. Die Vorbereitung und Planung des Strassenbaus erfolgte auf diversen internationalen Konferenzen und Planungskomitees in den zwanziger Jahren. Der Bau der Strassen begann dann in den dreissiger Jahren in Verantwortung der jeweiligen Länder. 1950 war Mexiko das erste Land, dass seinen Abschnitt der Panamericana fertigstellte. Eine teilweise Umbenennung und Zuordnung weiterer Strecken zur Panamericana, über den ursprünglichen Verlauf hinaus, erfolgte später, als sich der “Mythos Panamericana” langsam herausbildete.

Das Lied hat im Übrigen nicht das Geringste mit der Strasse zu tun.

Continue reading

Steaks diesseits und jenseits des Rio de la Plata

Einige diesseits des Rio de la Plata werden mir das sicher übel nehmen, dennoch komme ich zweifelsfrei zu folgendem Urteil: Die Steaks in Uruguay sind noch ein bisschen schmackhafter als die in Argentinien. Die Grillmeister des Mercado del Puerto in Montevideo sind unumstrittene Meister ihres Faches.

Un abrazo.

In einer DC-9 nach Maracaibo

Heute morgen bin ich von Caracas nach Maracaibo, der grössten Stadt der Karibik, geflogen. Nach der Kälte der letzten Wochen in Buenos Aires kommen mir und meiner Gesundheit die Temperaturen von über 40° gut zupass, auch wenn die Stadt, die vor knapp 500 Jahren als Neu-Nürnberg gegründet wurde, auf den ersten Blick nur wenig Attraktives zu bieten hat. Der Flug selbst war bemerkenswert. Zunächst war ich überrascht, als mir ein Kollege bei meiner Ankunft am Flughafen meine Bordkarte in die Hand drückte. Er hatte mich schonmal, nur mit meinem Namen, eingescheckt. Glücklicherweise hatte dies niemand anderes getan. Er hätte nämlich auch gleich in meinem Namen abfliegen können, da es bei nationalen Flügen keine Ausweiskontrolle gibt. Der knapp einstündige Flug mit Aserca Airlines wurde dann mit einer DC-9 durchgeführt. Diese in den sechsiger Jahren entwickelte Maschine wird seit 30 Jahren nicht mehr gebaut und hat Museumsstückcharakter. Gemäss meiner Einschätzung handelte es sich bei der Maschine meines Flugs eher um eines der ersten als eines der letzten Modelle. Beeindruckend war insbesondere die Innenverkleidung der Kabine, die grösstenteils aus Holz bestand, und das Wort “Luftschiff” gleich in einem neuen Licht erscheinen liess. Das Hineinwinden meiner 1,90m in den Sitz war anspruchsvoll und die Kopfstütze drückte mich etwas knapp unter den Schulterblättern. Am Flug gab es dann aber nichts auszusetzen und das Fluggefühl war recht dynamisch. 

Un saludo.

Cartagena de Indias

Passend zu Song 4 von “Rumba del Sur” einige Bilder von Cartagena de Indias.

Cartagena, von den Spaniern im 16. Jahrhundert an der kolombianischen Karibikküste gegründet und während der Kolonialzeit einer der wichtigsten Häfen für das spanische Handelssystem und den Umschlag deportierter afrikanischer Sklaven, hat eine der beeindruckendsten Hinterlassenschaften kolonialer Architektur Südamerikas. Aufgrund des grossen Reichtums, den der Handel mit den Edelmetallen des ganzen Kontinents mitsichbrachte, war die Stadt regelmässig Schauplatz für die Überfälle von Piraten und Freibeutern, und wurde im Laufe der Zeit zu einer einzigen grossen Festung ausgebaut.

Cartagena, erinnernd an ein gereneralüberholtes Havana, hat absolutes Karibik-Flair: tropisches Klima, Entspanntheit und das übliche Rum-Getrinke und Zigarren-Gerauche. Bereits bei Ankunft hat man den Eindruck, dass die Leute hier einen Schritt langsamer laufen.

Wie das Leben so spielt habe ich am letzten Wochenende den Bud Spencer Klassiker ” Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle” gesehen. Und siehe da, der spielte zeitweisse ebenfalls in Cartagena. Obwohl im Film etwas von El Salvador gefaselt wurde, ist zweifelsfrei erkennbar, dass es sich um Cartagena handelt. Der Film ist zwar 40 Jahre alt, die Busse, die durch die Stadt fahren, sind aber noch die selben.

20-Mar-2011 17:52, Canon Canon PowerShot S90, 8.0, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 125

21-Mar-2011 22:14, Canon Canon PowerShot S90, 5.6, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 160

20-Mar-2011 18:13, Canon Canon PowerShot S90, 7.1, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 160

20-Mar-2011 19:42, Canon Canon PowerShot S90, 8.0, 22.5mm, 0.002 sec, ISO 80

20-Mar-2011 18:07, Canon Canon PowerShot S90, 7.1, 18.189mm, 0.002 sec, ISO 80

20-Mar-2011 20:18, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 160

21-Mar-2011 16:11, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 6.0mm, 0.005 sec, ISO 160

20-Mar-2011 19:41, Canon Canon PowerShot S90, 7.1, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 80

20-Mar-2011 18:30, Canon Canon PowerShot S90, 4.0, 10.701mm, 0.004 sec, ISO 80

20-Mar-2011 18:27, Canon Canon PowerShot S90, 6.3, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 160

20-Mar-2011 20:16, Canon Canon PowerShot S90, 4.5, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 160

21-Mar-2011 01:52, Canon Canon PowerShot S90, 2.0, 6.0mm, 0.05 sec, ISO 1000

21-Mar-2011 18:46, Canon Canon PowerShot S90, 6.3, 12.845mm, 0.002 sec, ISO 100

21-Mar-2011 20:48, Canon Canon PowerShot S90, 5.6, 8.557mm, 0.002 sec, ISO 80

21-Mar-2011 21:00, Canon Canon PowerShot S90, 8.0, 14.976mm, 0.002 sec, ISO 80

Un abrazo.

Willst du ficken?

Mit gemischten Gefühlen verliess ich kürzlich mein Hotel in Santiago de Chile. Einerseits schmeichelten mir natürlich der freundliche Empfang und die liebevolle Vorbereitung in deutscher Sprache. Andererseits irritierten mich aber die teilweise schlüpfrigen Angeboten, die mir, hätte ich mich darauf eingelassen, problemlos einige Jahre Knast eingebracht hätten.

Glücklicherweise stellte sich dann aber alles als grosses Missverständnis heraus. Der Empfang galt nicht mir, sondern den Jungs von Tokio Hotel, die zufällig im selben Hotel wohnten und auf ihrer Südamerika-Tour am selben Abend in Santiago spielten. Kaum zu glauben, aber auch hier lassen sie die Mädchen-Herzen höher schlagen, lösen gleichzeitig eine regelrechte Deutsch-Lern-Welle aus und ziehen jeden Abend zwischen 15.000 und 20.000 Zuschauer an.

Un abrazo.

Eduardo Galeano kommt nicht zum Essen

In einem Restaurant in Montevideo – direkt gegenüber vom Teatro Solis – sass am Nebentisch ein Mann, der ständig, und erst recht dann, wenn er gerade wieder einen Bissen zum Mund führen wollte, Hände schütteln musste. Obwohl das Restaurant nicht besonders gross war, wollte der Strom der Begrüssungswilligen nicht abreissen. Von einem entspannten Abendessen und angeregter Unterhaltung mit der Begleitung konnte also keine Rede sein. Dennoch nahm er die Grüsse mit gleichbleibender Aufmerksamkeit und Freundlichkeit entgegen.

Es stellte sich dann heraus, dass es sich um den Schriftsteller Eduardo Galeano handelte. International ist er insbesondere für Las venas abiertas de América Latina bekannt, ein Buch über die Geschichte Südamerikas und die Auswirkungen der kolonialen Ausbeutung seit der Entdeckung des Kontinents. Das Buch war unter den Militärdiktaturen in Argentinien, Chile und Uruguay verboten und erlangte erneute Popolarität, als es auf dem Amerika-Gipfel 2009 von Hugo Chavez an Barack Obama als Geschenk überreichte wurde. Ich weiss nicht, ob Obama es mittlerweile gelesen hat; bei mir steht es als nächstes auf der Lese-Liste.

 Un abrazo