Category Archives: kultiviert

Das Lied in mir – El día que no nací

“Das Lied in mir” (El dí que no nací) von Florian Cossen lief als Beitrag auf dem diesjährigen Festival de Cine Aleman in Buenos Aires.

Der Film handelt von der in Deutschland aufgewachsenen Maria (Jessica Schwarz), deren Identität sich bei einem nicht geplanten, den Umständen geschuldeten Aufenthalt in Buenos Aires in einen Scherbenhaufen verwandelt. Nach und nach erfährt sie die Wahrheit ihrer Herkunft: Diejenigen, die sie ihr Leben lang für ihre Eltern gehalten hat, haben sie adoptiert und bei der Adoption ging es nicht nur mit rechten Dingen zu. Ihre wirklichen Eltern gehörten zu den schätzungsweise 30.000 Personen, die in Argentinien in den achtziger Jahren während der Zeit von Militärdiktatur und Staatsterror spurlos verschwanden und ermordet wurden. Sie lernt ihre verbliebene Familie kennen, gegen deren Willen sie nach Deutschland gebracht wurde. Doch diese Personen sind ihr völlig fremd und sie versteht ihre Sprache nicht. Im Mittelpunkt des Films steht der Konflikt mit ihrem (Atoptiv-) Vater und die plötzlich und unerwartet ausgelöste Identitätskrise.

Auch wenn die Geschichte an einigen Stellen zu unwahrscheinlich konstruiert ist und der Handlung etwas mehr Geschwindigkeit gut zupass käme, nimmt dieser Film einen interessanten Blickwickel auf dieses dunkle Kapitel der argentinischen Geschichte und zeigt schöne, ungeschminkte Bilder aus dem Alltag von Buenos Aires.

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Un Abrazo.

Eduardo Galeano kommt nicht zum Essen

In einem Restaurant in Montevideo – direkt gegenüber vom Teatro Solis – sass am Nebentisch ein Mann, der ständig, und erst recht dann, wenn er gerade wieder einen Bissen zum Mund führen wollte, Hände schütteln musste. Obwohl das Restaurant nicht besonders gross war, wollte der Strom der Begrüssungswilligen nicht abreissen. Von einem entspannten Abendessen und angeregter Unterhaltung mit der Begleitung konnte also keine Rede sein. Dennoch nahm er die Grüsse mit gleichbleibender Aufmerksamkeit und Freundlichkeit entgegen.

Es stellte sich dann heraus, dass es sich um den Schriftsteller Eduardo Galeano handelte. International ist er insbesondere für Las venas abiertas de América Latina bekannt, ein Buch über die Geschichte Südamerikas und die Auswirkungen der kolonialen Ausbeutung seit der Entdeckung des Kontinents. Das Buch war unter den Militärdiktaturen in Argentinien, Chile und Uruguay verboten und erlangte erneute Popolarität, als es auf dem Amerika-Gipfel 2009 von Hugo Chavez an Barack Obama als Geschenk überreichte wurde. Ich weiss nicht, ob Obama es mittlerweile gelesen hat; bei mir steht es als nächstes auf der Lese-Liste.

 Un abrazo

Festival de Cine Aleman

Heute beginnt das Deutsche Filmfestival von Buenos Aires. Die Filme, sieht man mal von “Hanni und Nanni” ab, sehen recht vielversprechend aus. Vielleicht kann das ja etwas daran ändern, dass die Existenz des deutschen Films sowie deutscher Schauspieler hier total unbekannt zu sein scheint.

Update 30/09/2010:

Das Festival ist mittlerweile rum. Den Publikumspreis gewonnen hat “Die Fremde”, der auch diesjähriger deutscher Wettbewerber um den Oscar für den besten ausländischen Film ist. Es gab schöne Filme zu sehen, viele Regisseure waren anwesend und haben nach dem Film Fragen beantwortet und aus dem Nähkästchen geplaudert (u.a. auch Feo Aladag). Das Interesse an den Filmen war ausserordentlich gross. Eine gelungene Veranstaltung.

Un abrazo.

Mafalda

Mafalda ist das wahrscheinlich berühmteste Mädchen Argentiniens. Anlässlich des 200. Jahrestages der argentinischen Unabhängigkeit in diesem Jahr wurde ihr sogar im Stadtteil San Telmo ein Denkmal gesetzt (Homenaje a Mafalda).

Seit 1964 werden die Comics des Zeichners Quino im Stile der Peanuts mit den Geschichten aus dem Leben des vorwitzigen Mädchens veröffentlicht. An Klugheit und Verzweifelung über den Zustand der Welt steht sie Lisa Simpson in nichts nach. Mafalda wurde mittlerweile in 26 Sprachen übersetzt, unter anderem auch vom argentinischen Spanisch ins spanische Spanisch. 

- Guck, das ist die Welt. Siehste!

- Und weisst du, warum diese Welt so schön ist?

- Weil sie nur eine Abbildung ist. Das Original ist eine Katastrophe!

Bs As, U-Bahn Perú/Catedral



Un abrazo.