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Superclásico

Boca: 2 – Riverplate: 0. Seitdem River in die zweite Liga abgestiegen ist, sind die regulären Begegnungen Mangelware, und es müssen Freundschaftsspiele wie das gestrige herhalten, um das kollektive Verlangen nach einem Kräftemessen zwischen den Erzrivalen zu stillen. Vor einer Kulissen von Polizisten und Fans im Verhältnis 1:10 machte River das Spiel, während Boca die Tore schoss und demonstrierte, wer von beiden der Erstligist ist.

Das Superclásico stellt auch Namen und Kulisse für den dänischen Film zur Verfügung, der dieses Jahr als bester fremdsprachlicher Film für den Oscar nominiert ist. Sieht zwar ein bisschen klamottich aus, bin aber trotzdem schon in freudiger Erwartung, dass er hier in die Kinos kommt.

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Un abrazo.

Riverplate abgestiegen

Riverplate, neben Boca Juniors zweiter grosser Traditionsverein von Buenos Aires und 33-maliger argentinischer Meister, ist am Sonntag nach einer Niederlage und einem Unentschieden in den Relegationsspielen gegen CA Belgrano das erste Mal in der 110-jährigen Vereinsgeschichte in die zweite Liga abgestiegen. Noch vor Abpfiff wurden die Spieler von den eigenen Fans mit Gegenständen beworfen. Anschliessend wurde das komplette Stadion auseinandergenommen. Ausserhalb des Stadions setzten sich bürgerkriegsähnliche Strassenkämpfe fort. 2.200 Polizisten waren im Einsatz, die Polizeisirenen waren noch bis weit in die Nacht in der ganzen Stadt zu hören und insgesamt wurden 72 Personen verletzt.

Das Riverplate-Stadion war auch als Austragungsort für das Finale des “Copa America” vorgesehen, der dieses Jahr in Argentinien stattfindet und in vier Tagen beginnt, (und für das ich die Begegnung Argentinien-Brasilien erhoffe). Nach den Vorfällen und den umfangreichen Zerstörungen wurde das Stadion von den Behörden zunächst für 30 Tage gesperrt. Wo das Finale stattfindet, ist also momentan offen.

Hier ist auf jeden Fall mehr Emotion im Spiel als in der Allianz-Arena.

Update: Das Riverplate Stadion wurde mittlerweile doch als Austragungsort für das Finale bestätigt.

Una abrazo

Welthauptstadt des Fussballs

Hat etwas länger gedauert, aber nun ist sie doch bei mir eingetroffen: Die Novemberausgabe von 11 Freunde mit einer vortrefflichen Reportage über den Fussball in der Stadt mit der weltgrössten Fussballvereinsdichte (verkürtzt hier nachzulesen) und einem Vorabdruck grossartiger Bilder aus dem Buch Buenos Aires – Die Welthauptstadt des Fussballs.

Am Wochenende hat das erste Superclásico – Boca gegen River – des Jahres stattgefunden, dass Boca mit 2:0  für sich entscheiden konnte. Da der Januar Hochsaison der Sommerferien ist und halb Buenos Aires gerade Urlaub am Meer macht, reisen die Vereine den Fans hinterher. Das Superclásico fand in keinem der Heimstadien statt, sondern an der Küste im Stadion von Mar del Plata.

Un abrazo.

Bombonera

Die Bombonera (=Pralinenschachtel) ist das Heimstadion der Boca Juniors, einem der erfolgreichsten Clubs Argentiniens und ehemaliger Verein von Diego Maradona.

Ich war bisher zwar noch bei keinem Spiel in der Bombonera, aber bereits im leeren Stadion wirken die Sicherheitsstandards abenteuerlich. Die Kurven bestehen ausschliesslich aus Stehplätzen, bei denen die Stufen kürzer als meine Füsse lang sind. Das Spielfeld wird vom Zuschauerbereich durch Metallzäune abgetrennt, an denen sich die Fans bei aufgeheizter Stimmung oder aufkommender Massenpanik hervorragend zerquetschen lassen.

Auch in hundert Jahren wird in diesem Stadion kein FIFA Länderspiel stattfinden.

20-Mar-2010 17:14, Canon Canon PowerShot S90, 5.0, 6.0mm, 0.002 sec, ISO 80

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Un abrazo.

Diego, Ex-Fussballgott

Seifenopernähnliche Züge nahm in der letzten Woche die Entlassung von Diego Maradona als Argentinischer Nationaltrainer an. Der Pressesprecher Bialo gab am Dienstag bekannt, dass das Exekutivkomitee des Argentinischen Fussballverbandes AFA beschlossen habe, den Vertrag mit Maradona nicht zu verlängern.

Die AFA und deren Komitee von Exekutivmarionetten werden von Julio Grondona sonnenköniglich regiert. Der 78-jährige Grondona, der sein Leben lang als Berufsfunktionär tätig war und sich nebenbei ein undurchsichtiges Firmenkonglomerat sowie ein erheblches Vermögen aneignen konnte, steht seit 31 Jahren an der Spitze der AFA. 2003 machte er durch antisemitsche Äusserungen auf sich aufmerksam. Ein solches Profil qualifiziert ihn auch für die FIFA, deren Vizepräsident er ist.

Spätestens nach dem 0:4 gegen Deutschland bei der WM in Südafrika kam Grondona wohl zu dem Schluss, dass die Wege von Nationalmannschaft und Maradona sich trennen müssten. Um eine Entlassung von el D10S, für dessen Verbleib im Traineramt sich u.a. auch Präsidentin Kirchner stark machte, zu vermeiden, stellte er die Vertragsverlängerung unter Bedingungen. Maradona hatte im Trainer- und Betreuerstab der Nationalmannschaft alte Weggefährten und Amigos grosszügig mit Posten versehen. Was bisher unproblematisch war, wurde nun zur Hürde: Bedingung für die Vertragsverlängerung war, dass bis zu sieben Mitarbeiter das Team verlassen sollten. Maradona, der bereits im Vorfeld klargestellt hatte, dass Veränderungen im Team für ihn nicht akzeptabel seien, nahm die Bedingungen nicht an.

Maradona, der bereits das erste Treffen mit Grondona bezüglich Vertragsverlängerung platzen liess, um stattdessen dem gerade Kolumbien mit Krieg bedrohenden Hugo Chávez einen Solidaritätsbesuch in Venezuela abzustatten, reagierte gewohnt exzentrisch. In einer Pressekonferenz liess er verlauten, dass er von Grondona belogen und vom Co-Trainer Bilardo betrogen worden sei und redete sich auch sonst um Kopf und Kragen. Diese haben mittlerweile, teilweise nicht minder emotional, geantwortet. Der weitere Verlauf der Schlammschlacht bleibt spannend.

Obwohl Maradona offensichtlich viele Anhänger in Argentinien hat (Zehntausende empfingen ihn nach der Rückkehr aus Südafrika begeistert), sind alle, mit denen ich mich unterhalten habe, froh, dass die Flitzpiepe endlich weg vom Fenster ist. Wieder bergauf gehe es aber erst wieder, wenn auch Grondona nicht mehr im Amt sei.
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