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In einer DC-9 nach Maracaibo

Heute morgen bin ich von Caracas nach Maracaibo, der grössten Stadt der Karibik, geflogen. Nach der Kälte der letzten Wochen in Buenos Aires kommen mir und meiner Gesundheit die Temperaturen von über 40° gut zupass, auch wenn die Stadt, die vor knapp 500 Jahren als Neu-Nürnberg gegründet wurde, auf den ersten Blick nur wenig Attraktives zu bieten hat. Der Flug selbst war bemerkenswert. Zunächst war ich überrascht, als mir ein Kollege bei meiner Ankunft am Flughafen meine Bordkarte in die Hand drückte. Er hatte mich schonmal, nur mit meinem Namen, eingescheckt. Glücklicherweise hatte dies niemand anderes getan. Er hätte nämlich auch gleich in meinem Namen abfliegen können, da es bei nationalen Flügen keine Ausweiskontrolle gibt. Der knapp einstündige Flug mit Aserca Airlines wurde dann mit einer DC-9 durchgeführt. Diese in den sechsiger Jahren entwickelte Maschine wird seit 30 Jahren nicht mehr gebaut und hat Museumsstückcharakter. Gemäss meiner Einschätzung handelte es sich bei der Maschine meines Flugs eher um eines der ersten als eines der letzten Modelle. Beeindruckend war insbesondere die Innenverkleidung der Kabine, die grösstenteils aus Holz bestand, und das Wort “Luftschiff” gleich in einem neuen Licht erscheinen liess. Das Hineinwinden meiner 1,90m in den Sitz war anspruchsvoll und die Kopfstütze drückte mich etwas knapp unter den Schulterblättern. Am Flug gab es dann aber nichts auszusetzen und das Fluggefühl war recht dynamisch. 

Un saludo.

Caracas

Ich bin zum ersten mal in Caracas. Die Stadt liegt in Küstennähe in einem Tal des Küstengebirges Venezuelas. Es ist warm und schwül, die umliegenden Berge sind von Nebel und Wolken verhangen. Soweit das Auge reicht, schlängeln sich die verwinkelten quaderförmigen Gebäude an den Bergen entlang, ohne dass eine Struktur oder Unterteilung durch Strassen erkennbar wäre. Die Stadt wirkt wie eine grosse Favela.

Obwohl ich mich nur in stark abgesicherten Gebäuden aufhalte und mich zwischen diesen mit einem gepanzerten Fahrzeug bewege, ist die Stimmung durch das Wissen um die Sicherheitslage beeinträchtigt. Mit einer Mordquote von um die 100 Mordopfer je 100.000 Einwohner pro Jahr ist Caracas neben Juárez in Mexico und New Orleans eine der gefährlichsten Städte der Welt. An einem durchschnittlichen Wochenende werden hier mehr Menschen ermordet als in Berlin im ganzen Jahr. Seitdem Hugo Chavez die Präsidentschaft von Venezuela übernommen hat, hat sich die Mordquote mehr als vervierfacht; eine Besserung ist nicht in Sicht.

Die Problematik der hohen Kriminalität wird von der venezuelanischen Bevölkerung als eines der wichtigsten politschen Themen bewertet. Vor dem Hintergrund der im September stattfindenden Parlamentswahlen und als eine weitere Massnahme der Beeinträchtigung der freien Berichterstattung hat nun ein Gericht kurzerhand die Berichterstattung über die alltäglich Gewalt eingeschränkt.

Die Ausgabe der kritischen Zeitung “El Nacional” erschien darauf mit weissen Blöcken anstelle der geplanten Abbildungen. Die Regierung hatte zuvor in der Veröffentlichung von Bildern von Mordopfern in einem Leichenschauhaus eine Kampagne gegen die Partei von Hugo Chavez gesehen.

Hierzu auch ein Artikel von Die Presse.

Un abrazo.